Antideutsches Zentralorgan oder: das ND antifaschistenfrei.

von Dagmar Henn

„Der aktuelle »Skandal« besteht vermutlich aber vielmehr darin, dass Rambatz statt dem Wort »Nazis« eben »Deutsche« gesagt hat. Damit trifft sie auch im Jahr 2017 immer noch einen wunden Punkt. Während nämlich einige Bürger offenbar nach wie vor die Meinung vertreten, dass die Schuld für die Gräueltaten der Nazi-Zeit einzig bei diabolisch-charismatischen NSDAP-Funktionären zu suchen sei, weisen kritische Linke seit Jahrzehnten darauf hin: Die große Mehrheit der Deutschen fand das gut und hat das Morden bis zum Kriegsende auch leidenschaftlich unterstützt. »Die Deutschen« waren das Problem.“

Übergehen wir die banale Feststellung, dass es sich auch bei Ernst Thälmann und den Geschwistern Scholl um Deutsche handelte und nicht um eingeflogene Marsmännchen.

Die Deutschen waren das Problem?

Was ‚die Deutschen‘ wollten oder nicht, das war zwischen 1933 und 1945 ungefähr so egal wie heute. Wollten ‚die Deutschen‘ 1939 Krieg? Nach den existierenden Berichten nicht. Hatte es eine Auswirkung auf die Entwicklung der Ereignisse? Nein.

So wie es heute keine Auswirkung hat, dass die meisten Deutschen Auslandseinsätze der Bundeswehr ablehnen und für Renten sind, von denen man leben kann, und für bezahlbare Wohnungen.

Das ND kommt nicht weiter als bis zu „diabolisch-charismatischen NSDAP-Funktionären“ auf der Suche nach den Schuldigen. Da waren die Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse weiter – zumindest einige der Auftraggeber und Profiteure wurden vor Gericht gestellt. Friedrich Flick z.B.

Auch in der heutigen Politk gibt es Auftraggeber, Profiteure, Ausführende und schweigende Zuschauer. Das ist übrigens kein Merkmal einer bestimmten Nation, sondern ein Merkmal kapitalistischer Gesellschaften.… in ihnen finden die Interessen der Bevölkerungsmehrheit keine Umsetzung, weil sich die Interessen der ohnehin Mächtigen durchsetzen.

Das war 1933 nicht anders.

Wer das nicht aussprechen will, sondern statt dessen mit Nebelgranaten der Art „die Deutschen waren das Problem“ wirft, leistet gleich auf zwei Arten der möglichen zweiten Auflage Vorschub.

Zum einen, indem der wahre Gegner, die Hauptschuldigen, also die Auftraggeber und Profiteure, in der Masse verschwinden und damit unkenntlich gemacht werden.

Zum anderen, weil das einzige Gegenmittel darin bestünde, dass eben diese Massen nicht nur eine andere Meinung haben als jene Herrschaften, sondern diese auch auf eine durchsetzungsfähige Art ausdrücken. Durch Organisation und breiten Widerstand.

Wer eben diesen Massen aber predigt, sie seien genauso schuldig wie jene, die Abermilliarden aus dem Tod von Millionen geschöpft haben, macht sie wehrlos. Und dient damit den Auftraggebern und Profiteuren.

Das ist genau der Grund, warum diese „unschuldige“ Äußerung jener Jungkarrieristin alles andere als unschuldig ist. Und warum das ND, das ihr so hilfreich zur Seite springt, sich damit von den eigenen antifaschistischen Ursprüngen lossagt, um zum Zentralorgan der Antideutschen zu werden.

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