Wie wird ein Mensch Kommunist? – hier die Geschichte eines Genossen aus Essen

Wir veröffentlichen hier den Weg unseres Genossen J. P. aus Essen zur Kommunistischen Partei Deutschlands. Fragen können direkt per E-Mail an ihn gerichtet werden: essen(at)kpd-nrw.de

Sich von den Freien Demokraten in die Kommunistische Partei Deutschlands hinein zu entwickeln, ist fürwahr ungewöhnlich. Manch einer mag nun sicherlich Zweifel an meiner Ernsthaftigkeit äußern wollen, könnte der weltanschauliche Gegensatz zwischen dem Liberalismus und der Lehre von Marx, Engels, Lenin und Stalin doch kaum eklatanter sein.

Das ein solcher Erkenntnis- und Entwicklungsprozess jedoch möglich und keinesfalls abwegig ist, dafür ist mein durchaus turbulenter Lebenslauf ein aufrichtiger Beweis.

Ich habe „fast“ nichts ausgelassen – seit frühester Jugend war ich stets bereit, mich kameradschaftlich, vorurteilsfrei und fair mit den politischen und religiösen Angeboten in unserer Gesellschaft auseinander zu setzen.

Ich habe mit dem katholischen Geistlichen oder mit dem Imam unserer örtlichen Moschee gleichermaßen diskutiert, wie mit kommunalen Vertretern der etablierten Parteien oder auch derjenigen, vor denen man seitens der Medien und spezifischer öffentlicher Behörden warnte, so u.a. der NPD oder Scientology.

Manches Mal mag dies durchaus fragwürdig gewesen sein aber schlussendlich doch für meine persönliche Entwicklung notwendig.

Denn was ich, als Sohn eines Bergmanns und einer liebevollen Hausfrau schnell realisierte, war der tiefe spaltende Riss, der sich durch unsere Gesellschaft zog. Einerseits bedingt durch Gruppen und Vereinigungen, die sich von der breiten Öffentlichkeit gezielt absondern – andererseits staatlich induziert. Denn trotz alledem, dass wir Bürger eines Landes sind, das sich aufrichtet auf einer s.g. freiheitlich-demokratische Grundordnung, hatte ich für mich den Eindruck, als gäbe es ein begrenztes Spektrum öffentlich akzeptierter Meinungen und alles, was von diesen gezielt abgesteckten Parametern abweicht, wird mitunter öffentlich diskreditiert und in Verfassungsschutzberichten oder durch hetzerische Meinungsmache an den Pranger gestellt. Heute bestätigt sich für viele Bürger, die ihren berechtigten Protest gegen die herrschenden Zustände

auf die Straße tragen, wie Recht ich mit dieser Erkenntnis hatte. Nebenbei bemerkt möchte ich jedoch anmerken, dass es mich zutiefst erschreckt, wie massiv eben dieser v.g. gesellschaftliche Protest von den wieder erstarkenden Faschisten instrumentalisiert und missbraucht wird. Hier sind vor allem wir Kommunisten aufgerufen, Widerstand zu leisten!

„Wer aber nun, könnte ein Interesse an diesem gesellschaftlichen Gegeneinander haben?“ Diese Frage lies mich nicht mehr los…

Nun gut – ich hatte inzwischen mein Abitur erfolgreich absolviert, war irgendwie „auf der Suche“ nach einer objektiven Wahrheit und wurde, im Zuge meiner Ausbildung zum Bankkaufmann, Mitglied der Freien Demokraten (FDP).

Ich fand auf der einen Seite die Idee des Liberalismus ganz attraktiv – frei nach dem Motto: soviel Staat wie nötig, so wenig wie möglich – und auf der anderen Seite empfand ich die FDP als beste Interessenvertretung meiner Branche. Letzteres gewann noch deutlich an Gewicht, als ich mich nach meiner Lehre, über den größten deutschen Finanzvertrieb mit einer kleinen Wirtschafts- und Finanzkanzlei, selbstständig gemacht habe.

Vor allem die Tätigkeit als Finanzberater führte mir einen weiteren, drastischen Grund vor Augen, warum unsere Gesellschaft so arg gespalten ist: der Antagonismus zwischen dem reichsten und dem ärmsten Teil unserer Bevölkerung.

Zu meinen Mandaten gehörten beide Schichten – die, die mich konsultierten, um Empfehlungen in Richtung Vermögensaufbau zu beziehen und jene, die einen Feuerwehrmann benötigten, der ihre brennend prekäre Finanzsituation löschte.

Heute oder vielmehr aktuell, gehöre ich selbst zu denjenigen, die einen Feuerwehrmann an ihrer Seite haben, denn ich musste schmerzlich lernen, wie brachial der Kapitalismus zuschlagen kann. Doch trotz all der persönlichen Herausforderungen, die damit einhergehen, bin ich geneigt, zumindest ein wenig dankbar für diese wertvolle Lebenslektion zu sein.

Wie dem auch sei – wieder und wieder ging mir, wie schon damals, diese eine, essentielle Frage durch den Kopf: „Wer hat ein Interesse an der Aufrechterhaltung der gesellschaftlichen Spaltung? Es ist doch genug Geld da, um einem Jeden in unserer Gesellschaft alles zur Verfügung zu stellen, was er für ein gutes Leben benötigt.“

…und da stieß ich auf ein Zitat des großen Gelehrten Karl Marx:

„Die bürgerlichen Produktionsverhältnisse sind die letzte antagonistische Form des gesellschaftlichen Produktionsprozesses, antagonistisch nicht im Sinn von individuellem Antagonismus, sondern eines aus den gesellschaftlichen Lebensbedingungen der Individuen hervorwachsenden Antagonismus…“,

, MEW Band 13, S.9 (Zur Kritik der politischen Ökonomie)

Bürgerliche Produktionsverhältnisse?
Antagonismus der gesellschaftlichen Lebensbedingungen?

Was mag nur dahinter stecken? Mein Interesse und meine Neugierde waren geweckt. Ich wollte für mich herausfinden, was Marx zu diesem Themenkomplex zu sagen hatte.

Mehr und mehr setze ich mich mit der umfassenden Materie des Marxismus-Leninismus auseinander. Ich las das Manifest der kommunistischen Partei, bestellte mir Einführungen und Grundlagenwerke der marxistischen politischen Ökonomie, teils aus nostalgischen DDR-Beständen, und sukzessive tat sich für mich ein wissenschaftliches Weltbild auf, welches die Handwerkzeuge und Erklärungen lieferte, die mir meine Frage final beantworteten und mich darüber hinaus aus der Orientierungslosigkeit einer kleinbürgerlichen Existenz befreiten! Marx hatte – wie kein anderer, schon gut zwei Jahrhunderte zuvor die naturgesetzliche Ordnung unserer Gesellschaft, unserer Geschichte und vor allem unserer Art des Wirtschaftens herauskristallisiert.

Er legte dar, dass der allgegenwärtige, gesellschaftliche Antagonismus, ein Widerspruch der sozialen Klassen ist – nämlich zwischen der Bourgeoisie, den Herrschenden im Kapitalismus, die Eigentümer der Produktionsmittel sind und dem Proletariat, die Klasse der abhängig Beschäftigten, die wiederum keinerlei Besitzanteil an den Produktionsmittel hat.

Ausschließlich zwischen diesen beiden Polen, vollzieht sich der Prozess der zunehmenden gesellschaftlichen Spaltung. Denn die Reichen werden immer reicher und die Armen werden immer ärmer – mit System!

Die Bourgeoise ist geleitet von einem starken Selbsterhaltungstrieb, steht sie doch einer Klasse gegenüber, die ungleich mächtiger ist als sie selbst. Sie sät daher bewusst Zwietracht unter den Proletariern, um jegliches, geschlossenes, kraftvolles Vorgehen der Unterdrückten gegen die Unterdrücker, im Keime zu ersticken.

Diese Zwietracht nimmt unterschiedlichste Formen an – sie kleidet sich in das Gewand der Religiosität und der Hoffnung auf ein jenseitiges Himmelreich gleichermaßen, wie in kleinbürgerliche politische Tageskämpfe, die zwar den Anschein von Pluralität und Auseinandersetzung unterschiedlichster politischer Strömungen erwecken aber doch nur Nebelkerzen sind, um den Blick der Proletarier auf gesellschaftliche Realitäten zu trüben.

In Anbetracht der Wahrheit, die sich mir in den Worten von Marx, Engels, Lenin und Stalin offenbarte und die ich – insofern ich meine persönliche Integrität wahren wollte, anerkennen MUSSTE, gab es für mich nur noch eine Entscheidung zu treffen: mein Leben treu danach auszurichten!

Mit dem 23.09.2018 bin ich Kandidat in der KPD geworden – womöglich der wichtigste und bedeutendste Schritt meines Lebens.

Aus meiner Geschichte können wir lernen, dass Kommunist zu sein, in erster Linie ein Erkenntnis- und ein Entwicklungsprozess ist und kein schlichtes „Label“ für einen Anhänger der Lehre von Marx und Engels.

Nähern kann man sich dieser Thematik aus vielerlei Richtungen und alles ist auf diesem Weg legitim, insofern er zur wahrheitsgemäßen, naturgesetzlichen Auffassung führt.

So kann auch ein ehemaliges Mitglied der FDP seinen Weg in unsere Reihen finden!

Glück Auf!

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