Drittes Seminar unseres gemeinsam mit der KPD organisierten marxistisch-leninistischen Fernstudiums

Am 24. Und 25. September fand das dritte Seminar unseres gemeinsamen Fernstudiums statt.

Die Themen waren einerseits die kapitalistischen Krisen, dabei vor allem die zyklische Bewegung des Kapitals, also die immer wiederkehrenden Krisen, die im bürgerlichen Sprachgebrauch „Rezession“ heißen, und andererseits die Geschichte und Gegenwart des deutschen Imperialismus.

Wir haben die Ursachen, die Erscheinungsformern und die Auswirkungen der zyklischen Krisen offengelegt, daneben auch andere Krisenformen wie Strukturkrisen, Rohstoffkrisen, Finanzkrisen und Währungskrisen behandelt, und das immer im Gesamtzusammenhang der kapitalistisch-imperialistischen Entwicklung. Während des Seminars hben wir u.a. gemeinsam die auf Grundlage der bürgerlichen Volkswirtschaft erhobenen ökonomischen Kennziffern der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung analysiert und konnten feststellen, dass Deutschland das ökonomisch führende Land innerhalb der EU geworden ist (in einem Prozess der letzten etwas 10 Jahre, vor allem aber seit der Krise 2008/9) und – was eine neue Qualität darstellt – sich schon in der „Rezession“ 2012 von der zyklischen Krisenbewegung in Europa abkoppeln konnte, d.h. keinen Rückgang des Bruttoinlandsproduktes hinnehmen musste, während Frankreich, Italien, Spanien und Griechenland (diese vier Länder haben wir genauer betrachtet, für ganz Europa fehlte die Zeit) davon betroffen waren, und, was noch viel interessanter war, dass die aktuellen Wirtschaftsdaten zeigen, dass Frankreich, Italien Spanien und Griechenland 2015 starke Einbußen ihres Bruttoinlandsproduktes zu verzeichnen hatten, während Deutschland noch immer leichte Zuwachsraten auswies. Es scheint so, als sei Deutschland ökonomisch in der Lage, die Folgen der zyklischen Krise den anderen Ländern der EU aufzubürden und selbst einen immer größeren wirtschaftlichen Vorsprung herauszuarbeiten. Das war das Programm des ersten Tages des Seminars.

Am Abend dieses ersten Tages durften wir dann den Genossen Gerhard Feldbauer begrüßen, der uns einen profunden Überblick über die Geschichte und die Gegenwart der Klassenkämpfe in Italien und die Politik der Kommunistischen Partei bis zu ihrer Selbstauflösung gegeben hat. Wir konnten viel erfahren über die jeweiligen Kräfteverhältnisse, über die internationale Situation, über die Strategie der kommunistischen Partei, über das Wachstum des Opportunismus und Revisionismus in ihr, über ihre Selbstauflösung, über die Entwicklungen danach und die aktuelle Situation. Flankiert hat Gerhard Feldbauer diese Darlegungen mit der Analyse der bürgerlichen Kräfte und deren politischer Organe, die Rolle des italienischen Neofaschismus und die aktuelle Strategie der italienischen Bourgeoisie. An den Vortrag Gerhard Feldbauers schloss sich eine muntere Frage- und Diskussionsrunde an, obwohl die Teilnehmer/innen in der Mehrzahl bereits eine lange und anstrengende Anreise und sechs Stunden intensiver Theoriearbeit hinter sich hatten.

Der zweite Tag war ganz dem deutschen Imperialismus gewidmet. Der Genosse Jürgen Geppert gab einen Überblick über die Geschichte des deutschen Imperialismus von der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts über die Vorgeschichte des Ersten Weltkriegs und des Zweiten Weltkriegs bis zur Nachkriegsordnung, Norbert ergänzte diesen historischen Überblick durch eine Analyse der Entwicklung des deutschen Imperialismus nach der Konterrevolution 1989/90 bis heute und stellte dabei besonders die Kontinuität der strategischen Orientierung des deutschen Imperialismus heraus.

Es war intensiv, es war sehr „inhaltsschwanger“, es war sehr gut.

Wir haben jetzt die Analyse des Kapitalismus und seiner imperialistischen Ausprägung abgeschlossen und kommen zur Frage des Sozialismus als Aufhebung des Kapitalverhältnisses, damit der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen, damit zum Gegengewicht gegen den Imperialismus.

Das nächste Seminar wird Anfang Dezember stattfinden, dann wird es um die theoretischen Grundlangen der politischen Ökonomie des Sozialismus gehen, um die Rolle des Staates im Sozialismus, um die Rolle des Geldes im Sozialismus, um die Frage der Planwirtschaft, der sozialistische Demokratie usw.

Die Diskussion um die konkrete Gestaltung des Themenkomplexes „Sozialismus“ (auf den dann der Themenkomplex „wie kommt man dahin?“, also die Fragen von Parteitheorie, Revolutionstheorie, Strategie, Bündnispolitik usw.usf. folgen werden) war sehr interessant und hat mich sehr gefreut. Unsere Fernstudenten/innen wollten kein Seminar, bei dem sowohl die theoretischen Grundlagen der politischen Ökonomie des Sozialismus als auch die Analyse der bisherigen Praxis des Sozialismus behandelt würde, nein, sie wollten unbedingt alles so intensiv wie möglich, d.h. ein ganzes Seminar zu den theoretischen Grundlagen und ein weiteres ganzes Seminar zur Analyse der vorhandenen Erfahrungen.

So ist es gut und so ist es richtig. Dass dieser Durchgang des Fernstudiums dann voraussichtlich zwei Jahre dauern wird, wurde mit der Bemerkung kommentiert: „Es kann gar nicht lange genug gehen“.

//