03. Oktober, Tag der Einheit?

„Als rettungslos verloren müßte man diejenigen Kommunisten bezeichnen, die sich einbilden wollten, daß man ohne Fehler, ohne Rückzüge, ohne ein vielmaliges Neubeginnen des nicht zu Ende Geführten und des falsch Gemachten solch ein weltgeschichtliches ‚Unternehmen‘ wie die Vollendung des Fundaments der sozialistischen Wirtschaft (…) zu Ende führen könnte.

Diejenigen Kommunisten aber, die weder in Illusionen noch in Verzagtheit verfallen, die sich die Kraft und Geschmeidigkeit des Organismus bewahren, um beim Herangehen an diese überaus schwierige Aufgabe wiederholt ‚von Anfang zu beginnen‘, sind nicht verloren (…).“ (Lenin in LW33,188ff.)

Wir veröffentlichen hier den Beitrag unseres Genossen Emko aus Baden-Württemberg zum 28. Trauertag der Aufgabe des ersten sozialistischen Staates auf deutschem Boden.
Als Kommunisten feiern wir den 7. Oktober als Gründungstag der Deutschen Demokratischen Republik mit unserem Genossen des DDR-Kabinett-Bochum.

Die Herrschenden, ihre Hofschranzen und ihre regierenden Lakaien feiern alljährlich den 03.10. als „Tag der deutschen Einheit“. Was sie feiern, das ist genau genommen das seit fast 30 Jahren um die DDR vergrößerte Gebiet, in dem sie Profite realisieren. Was sie feiern, das ist die Niederlage des Sozialismus auf deutschem Boden, worum sie jahrzehntelang mit Kriegsdrohungen, Einmischungen und Boykotts gerungen hatten. Was sie feiern, das ist auch ein außenpolitisch größeres Gewicht, welches prompt zur Zerstörung des Staates Jugoslawien eingesetzt und durch heimlich-perfide Beteiligungen in anderen durch den Imperialismus geschaffenen „Krisenherden“ weiter durchgesetzt wurde.

Und die Herrschenden & Co. feiern mit Sicherheit auch, dass mit dem Verschwinden der DDR nun die westliche BRD ihre frühere Schaufensterfunktion nach Osten nicht mehr benötigt: Die Rechte der arbeitenden Bevölkerung werden immer weiter beschnitten, z.B. betreffend die Arbeit oder Soziales. Millionen Einwohner der BRD werden mit Zeitarbeitsverträgen und geringfügigen Beschäftigungen abgespeist, die oft allein nicht zur Bestreitung des Unterhalts ausreichen. Weiteren Millionen wird eine Beschäftigung gänzlich verwehrt, wofür sie auch noch mit Hartz IV bestraft werden, einer sog. „Grundsicherungsleistung“, die zu einem würdevollen Leben nicht ausreicht und in ein menschenfeindliches System von „Sanktionen“ eingebunden ist.

Ja, sie haben viel zu „feiern“: Die Zahl der Wohnungslosen stieg von 2010 bis 2016 um 35%[i]; die Kinderarmut liegt derzeit nach Berechnungen des Kinderschutzbundes (DKSB) bei etwa 4,4 Millionen Kindern[ii]; die Zahl faschistischer Morde wurde erfolgreich jahrelang heruntergelogen[iii]. Und die verrottende Infrastruktur alldessen, was nicht in die Hände Privater verramscht wurde, macht das Leben hierzulande auch ohne die zunehmenden Repressionsmechanismen immer unangenehmer, von den maroden Systemen der Bildung und Gesundheit ganz zu schweigen.

Als wäre alldies nicht genug, wird derzeit versucht, über die Installierung einer faschistischen Parteien-„Alternative“ weitere ökonomische Forderungen der Herrschenden durchzusetzen und dabei Alteingesessene gegen Zuwanderer auszuspielen.

03.10., Tag der Einheit? Außer der territorialen Einheit einer vergrößerten BRD gibt es sie nicht, schon gar nicht für die Arbeiterklasse dieses Landes, und es kann sie im Kapitalismus auch gar nicht geben. Von der „deutschen Einheit“ profitieren v.a. Profitler, Ausbeuter, Plünderer. „Einheit“? In Deutschland besitzen die 45 reichsten Haushalte so viel wie die ärmere Hälfte der Bevölkerung.[iv]

Eine Genossin aus der DDR schreibt heute:

„3. Oktober – Tag der deutschen ‚Einheit‘

Sie feiern sich wieder, jene, die unsere Republik zerstört haben, die unser Volkseigentum, unsere Betriebe, Ferienheime, Wälder, Felder an sich gerissen haben. In Scharen kamen sie aus dem Westen, Herzöge, die ihre Schlösser wiederhaben wollten.

Selbst das Fernsehen berichtet, wie der Westen unsere Betriebe kaputt gemacht hat, wie der Westen den Osten beherrscht.

Wie lange will man uns noch dieses Märchen von der deutschen Einheit erzählen?

Seit der Gründung der DDR, des ersten deutschen Arbeiter- und Bauern- Staates, war der Westen bestrebt, diesen Staat zu vernichten.

40 Jahre hielten wir den Anfeindungen, den Provokationen, der Sabotage stand.“

„Einheit“ kann es im positiven Sinn einheitlicher Lebensverhältnisse der Bevölkerung erst nach der Beseitigung jeder Ausbeutungsgesellschaft geben, im fortgeschrittenen Stadium einer ausbeutungsfreien Gesellschaft, des Sozialismus.

Ist der 03.10. somit ein Tag der Trauer über das Verlorene? Ja, er ist es, aber nicht nur:

Jeder 03.10. sollte Mahnung sein, mit dieser Gesellschaft täglich und laut so abzurechnen, wie sie es verdient, die Ärmel aufzukrempeln, sich gegen die Herrschenden zu organisieren, mit Genossinnen und Genossen gemeinsam für die einzige Alternative, den Sozialismus, zu kämpfen –

Werde Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschlands!

[i] https://www.deutschlandfunk.de/sozialstatistik-immer-mehr-obdachlose-in-deutschland.2852.de.html?dram:article_id=373118

[ii] https://www.tagesspiegel.de/politik/berechnungen-des-kinderschutzbunds-kinderarmut-in-deutschland-hoeher-als-gedacht/22939272.html

[iii] https://www.tagesspiegel.de/politik/interaktive-karte-todesopfer-rechter-gewalt-in-deutschland-seit-der-wiedervereinigung/23117414.html

[iv] http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/vermoegen-45-superreiche-besitzen-so-viel-wie-die-halbe-deutsche-bevoelkerung-a-1189111.html

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