Party? – Ohne mich!

Der Freitag-Artikel „Das Ende der Party“ (in 31/2017; https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/das-ende-der-party) veranlasste Dagmar Henn zu nachfolgendem Kommentar:

Ich bin es leid, immer wieder in ein großes völkisches Gesamtpaket gesteckt zu werden.
Wie hier:
„Viele Menschen in Afrika wollen aber nicht länger dabei zusehen, wie wir im Norden auf ihre Kosten Partys schmeißen. Viele wollen ihre qua Geburt ererbte Zweitklassigkeit nicht länger akzeptieren. Sie wollen mitfeiern.“
Toll. Ich feiere aber nicht. Ich gehöre zu jenen unteren 60% der Bevölkerung, die kein Vermögen besitzen, zu den Alleinerziehenden, die arm sind. Diese Party mag stattfinden, aber sie tut es ohne mich.
Und ohne all die anderen Niedriglöhner, Armutsrentner, Wohnungslosen….
Die alle miteinander gezielt verarmt worden sind, um die Exportwalze der deutschen Industrie und die daraus folgenden Gewinne zu ermöglichen.
Party?
Der ganze Text versucht, bei allen ein schlechtes Gewissen zu erzeugen. Wir alle leben auf Kosten Afrikas? Ich kaufe Klamotten bei Primark, weil ich mir keine anderen leisten kann. Ich hätte nichts dagegen, mir anständige Kleidung zu kaufen, die von anständig bezahlten Menschen genäht wurde.
Das ist die gleiche Soße, die uns auch in Bezug auf die deutsche Vergangenheit vorgesetzt wird. Wir alle sind schuldig? Kein Unterschied zwischen den Krupps und den Krauses?
Wer auch immer mir mit „wir alle müssen“ kommt, dem möchte ich seine Sprüche mit Anlauf in den Rachen zurückstoßen.
Es gibt kein „wir alle“.
Es gibt die da oben. Und dann gibt es die unten. Und wer immer unten ist, ob hier oder in Afrika, zahlt die Rechnung für die oben.
Die, die „mitfeiern“ wollen haben genauso wie die, die dafür so viel Verständnis aufbringen, noch nicht begriffen, wo ihr Feind sitzt.
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