9. Mai – Tag des Sieges!

 
Der faschistische Krieg gegen die Sowjetunion war der brutalste Krieg und der größte Gewaltexzess in der modernen Menschheitsgeschichte. Niemals hat ein Land in der Weltgeschichte so viele Menschen verloren wie die Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg. Nach aktuellen Schätzungen starben 26,6 Millionen Sowjetrussen. Unfassbare 70.000 Dörfer und Siedlungen in der Sowjetunion wurden zerstört.
Auch führte das Nazi-Regime Krieg gegen sein eigenes Volk. Millionen starben in Konzentrations- und Vernichtungslagern, die im gesamten Deutschen Reich und den besetzten Gebieten errichtet wurden. Nicht nur Juden wurden in Konzentrationslager gebracht, sondern auch Kommunisten, Linke, Sinti und Roma, Homosexuelle und viele weitere.
 
Erinnert sei heute an dieser Stelle an „Die Zerstörungen der deutschen Wehrmacht in der UdSSR“, zusammengefasst im sog. „Leshnew-Bericht“. Ihr findet ihn unten. Wir haben ihn der Seite Red-Channel entnommen.
 
8. Mai – Tag der Befreiung!
9. Mai – Tag des Sieges!

I. Leshnew

 

Die Zerstörungen der deutschen Wehrmacht in der UdSSR

(Nach Angaben des Nürnberger Prozesses)

Aus:

‚Neue Welt‘, Januar 1947, Heft 1, Berlin, Verlag ‚Tägliche Rundschau‘, S. 11ff.

Zerstörung der Dörfer und Siedlungen

 

 

Die ländlichen Ortschaften Deutschlands haben verhältnismäßig wenig unter dem Krieg gelitten. In der Regel waren sie an keiner der Fronten von Flieger- und Bombenangriffen betroffen. Im Westen und Süden des deutschen Territoriums fanden überhaupt nur wenige kriegerische Handlungen statt (die Deutschen wichen hier fast kampflos); um so weniger fanden hier Operationen auf den Dörfern statt. Wenn man heute (1947) durch die britische und amerikanische Zone fährt, so fällt einem auf, dass die Ortschaften auf dem flachen Lande ganz unberührt geblieben sind, während die Städte, insbesondere im rheinisch-westfälischen Industriegebiet, mitunter zu 70-80% zerstört wurden.

 

Die deutschen Dörfer im Osten haben mehr gelitten als im Westen und Süden Deutschlands, jedoch nur in dem Umfang, in dem sie von unmittelbaren Kämpfen berührt wurden. Wo Kämpfe stattfanden – ob das nun in der Stadt oder auf dem Lande war – waren Zerstörungen unvermeidlich. Aber gleich im nächsten Dorf, wo keine kriegerischen Handlungen stattfanden, sind alle Häuser ganz geblieben. Und das ist natürlich, denn die sowjetische Armee sah nie in Zerstörung auf fremden Territorium ihren Zweck.

 

Anders die Hitlerarmee, die im Geiste rassischer Unduldsamkeit erzogen und von Kriegsverbrechern geführt wurde. Das deutsche Oberkommando hat die Zerstörung sowjetischer Dörfer geplant und methodisch durchgeführt. Bezeichnend ist in dieser Beziehung der Befehl des Kommandeurs der 98. deutschen Infanteriedivision vom 24. Dezember 1941. In diesem Befehl werden 16 sowjetische Dörfer angeführt, die zerstört werden sollten. Weiter heißt es darin:

 

„Die vorhandenen Vorräte an Heu, Stroh, Lebensmitteln usw. sind zu verbrennen. Alle Öfen in den Wohnhäusern sind so zu zerstören, dass sie nicht weiter benützt werden können.“

 

Über diese verbrecherische Praxis des deutschfaschistischen Oberbefehls hat der sowjetische Außenminister W. M. Molotow wiederholt in seinen Noten berichtet. Die von W. M. Molotow gesammelten Tatsachen sind erschütternd. In der Note vom 6. Januar 1942 heißt es:

 

„Beim Rückzug aus den Dörfern Krasnaja Poljana (Wohnort des großen sowjetischen Schriftstellers Leo Tolstois), Myschetzkoje, Oscherelje, Wyssokowo im Gebiet von Moskau haben die Deutschen Schützenabteilungen aufgestellt, die die Häuser aus Flaschen mit brennbarer Flüssigkeit übergossen und anzündeten. Auf die Bewohner, die versuchten, die Brände zu löschen, eröffneten die Deutschen das Feuer aus Maschinenpistolen. Von elf Häusern im Dorfe Myschetzkoje blieben fünf, von 200 Häusern in Oscherelje nur acht übrig. Im Dorfe Wyssokowo blieben von 76 Häusern nur drei erhalten. Der siebzigjährige Grigorjew F. K. wurde für die Worte ‚Verbrennt meine Hütte nicht!‘ erschossen.“

 

Die Note W. M. Molotows vom 27. April 1942 berichtet von den Sonderkommandos, die der faschistische Oberbefehl für die Zerstörung der sowjetischen Ortschaften und für die Massenausrottung der Zivilbevölkerung beim Abzug der Truppen aufstellte.

 

„Diese Kommandos führen ihr blutiges Geschäft mit der Kaltblütigkeit von Berufsverbrechern durch. So haben die Deutschen z. B. unmittelbar vor dem Rückzug aus dem Dorfe Wolschekrepinskaja im Rostower Gebiet Spezialflammenwerfer in Gang gesetzt, die 1.167 Häuser nacheinander zerstörten und das blühende Dorf in einen rauchenden Scheiterhaufen verwandelten, in dem die Wohnhäuser, das Krankenhaus, die Schule und verschiedene öffentliche Gebäude untergingen. Währenddessen wurden die Einwohner, die sich ihren brennenden Häusern näherten, ohne Anruf mit Maschinenpistolen niedergemacht. Einige Bewohner wurden gefesselt, mit Benzin übergossen und in die brennenden Häuser geworfen.“

 

Bei ihrem Abzug aus dem Kuban bediente sich die deutsche Armee eines Plans, der vom deutschen Oberkommando ausgearbeitet worden war. Der Plan gab ins Einzelne gehende Hinweise, wie der Kuban, diese Kornkammer der Sowjetunion, in eine ‚für lange Zeit völlig unbrauchbare unbewohnte Wüstenzone, in der im Laufe eines Monats ständig Zeitminen in die Luft gehen werden‘, verwandelt werden sollte. Dieser Geheimplan, der die Bezeichnung ‚Kriemhild-Bewegung‘ trug, war mit der eigenhändigen Unterschrift Hitlers vom 4. November 1943 versehen. Es gab nur 17 Exemplare davon. Der Plan trug die Bemerkung: ‚Für die obersten Stabschefs.‘ Die Fotokopie dieses Plans wurde von der sowjetischen Anklage dem Internationalen Militärtribunal in Nürnberg während des Prozesses unterbreitet.

 

Nach den Angaben der Anklage haben die deutschfaschistischen Besatzungstruppen in der Sowjetunion insgesamt ganz oder teilweise über 70.000 Dörfer und Siedlungen zerstört und niedergebrannt.

 

In der Mehrzahl der Fälle wurden die Ortschaften unter dem Vorwand vernichtet, dass sie die Partisanen unterstützten. Dass die dörfliche Bevölkerung wie übrigens die gesamte Einwohnerschaft der Sowjetunion für die Partisanen, die heroisch für die Freiheit und Unabhängigkeit ihres Vaterlandes kämpften, Sympathie empfanden, ist nur zu verständlich. Bei dem Terrorregime der faschistischen Okkupanten hatten die Bauern jedoch lange nicht immer die Möglichkeit, den Partisanen reale Hilfe zu leisten. In die Partisanenabteilungen traten nur die mutigsten Menschen ein, auf keinen Fall aber gebrechliche Greise, unmündige Kinder und schwangere Frauen. Währenddessen vernichteten die Eindringlinge alles auf ihrem Rückzugsweg, ohne jeden Unterschied und ohne jede Gnade hilflosen Menschen gegenüber. Die unmenschlichsten Verbrechen wurden unter dem Vorwand der ‚Partisanenbekämpfung‘ vollbracht.

 

So hat zum Beispiel der deutsche Kompanieführer Hauptmann Kassner seine Meldung vom 27. September 1942 über die von ihm verübten Greuel überschrieben:

 

„Zusammenfassender Bericht über die Befriedungsexpedition im Dorfe Borissowka vom 22. 9. bis 26. 9. 42.“

 

Der Bericht schließt mit den Worten:

 

„Gegen Mittag war die ganze Aktion beendet. Das Dorf und seine Bewohner wurden vernichtet.“

 

Gleichfalls im Jahre 1942 wurde in den Städten Lettlands eine Mitteilung des Chefs der deutschen Sicherheitspolizei, SS-Obersturmbannführer Strauch, über die unmenschliche Bestrafung des Dorfes Audriny bekanntgemacht für angebliche Hilfeleistungen seiner Einwohner an Soldaten der Sowjetarmee. In diesem Dokument heißt es:

 

„Die Bewohner des Dorfes Audriny, Kreis Reshizk, haben über ein Vierteljahr Rotarmisten bei sich verborgen gehalten, ihnen Waffen gegeben und ihre staatsfeindliche Tätigkeit auf jede Weise untersützt. Als Bestrafung habe ich angeordnet, das Dorf Audriny vom Erdboden hinwegzufegen.“

 

Wie viele solcher Dörfer und Siedlungen sind von der deutschen Wehrmacht in der Sowjetunion vom Erdboden hinweggefegt worden? Wir wissen es: Zehntausende!

 

In 23 Bezirken des Gebiets von Moskau wurden von den Besatzungstruppen 537 Dörfer ganz und 928 teilweise zerstört. Dabei sind 38.423 Wohnhäuser, 1.053 Ställe, 8.169 Viehhöfe, 13.610 Scheunen und Lagerhäuser, 747 Nebengebäude, eine große Zahl von Krankenhäusern, Kindergärten und -krippen, Klubs und Lesehäusern vernichtet worden.

 

Im Leningrader Gebiet sind 3.135 Dörfer und Siedlungen ganz oder teilweise zerstört worden.

 

In 25 Bezirken des Gebiets von Tula hat die deutsche Armee während der Besetzung 316 Dörfer, 19.164 Bauernhäuser, 299 Schulen, 2.950 Getreidedarren, Scheunen, Ställe und Viehhöfe gänzlich niedergebrannt.

 

Im Gebiet von Kalinin haben die deutschfaschistischen Truppen alle Ortschaften im Bereich von acht Dorfsowjets im Bezirk Rshew niedergebrannt und zerstört. Im Bezirk von Jemeljanowo brannten sie 80%, im Bezirk von Turgin 60% der Häuser nieder. Von 70.000 Häusern der Kollektivbauern des Bezirks von Pogorelj haben die faschistischen Verbrecher 5.000 eingeäschert.

 

Diese Angaben sind von der Außerordentlichen Staatlichen Kommission genauestens ermittelt und von der sowjetischen Anklage dem Internationalen Militärtribunal in Nürnberg unterbreitet worden.

 

Fürchterlich wüteten die Mordbrenner im Gebiet von Orel. Hier zerstörten sie 56.866 Dorfgebäude. Ein anderes Beispiel: Im Gebiet von Sytschew haben sie von 248 Dörfern 137 niedergebrannt.

 

Die trockene Aufzählung der zerstörten sowjetischen Bezirke, die traurige Zahlenreihe der zerstörten und vernichteten Bauernnester ziehen sich allein über Hunderte von Seiten hin. Wir sehen davon ab, sie wiederzugeben. Das Gesagte genügt, um eine Vorstellung zu gewinnen von der taifunartigen Zerstörungswelle, die die deutsche Wehrmacht über die vorübergehend besetzten sowjetischen Dörfer und Siedlungen goss.

 

 

Die Zerstörung von Industrie, Verkehr und Fernmeldwesen

 

 

Vor dem Krieg behauptete Hitler, dass die Sowjetunion ein ‚Koloss auf tönernden Füßen‘ sei, dass Russland ein Agrarland gewesen und geblieben sei. Er erfand die lächerliche Fabel, dass die Sowjetunion nicht in der Lage sei, aus eigenen Kräften und Mitteln Lastwagen herzustellen. Das wurde zu einer Zeit gesagt, als Russland bereits den leistungsfähigsten Traktorenpark in Europa besaß und die sowjetische Landwirtschaft in der Mechanisierung vor allen Ländern der Erde an der Spitze lag.

 

Im Kriege hatten die deutschen Soldaten Gelegenheit, sich nicht nur von der beispiellosen Tapferkeit und Widerstandskraft der sowjetischen Menschen, sondern auch von der unübertroffenen Leistungsfähigkeit der sowjetischen Kriegstechnik zu überzeugen. Auch hat das faschistische Oberkommando unter den schweren Schlägen der Niederlage seine ganze Kraft darauf verwandt, die Grundlagen der sowjetischen Kriegstechnik an der Wurzel zu treffen und die sowjetische Industrie um jeden Preis zu zerstören.

 

Die russischen, ukrainischen und weißrussischen Werke und Fabriken wurden massierten Fliegerangriffen ausgesetzt und in den geraubten Gebieten, besonders beim Abzug der deutschen Truppen, systematisch zerstört. Man kann sagen, dass die sowjetischen Industriewerke den Hauptanziehungspunkt für die zerstörenden Kräfte der deutschen Wehrmacht bildeten.

 

Auch wenn die deutschen Truppen noch so eilig das eine oder andere Industriezentrum zurücklassen mussten, so nahmen sie sich doch noch die Zeit, die Industrieunternehmen zu sprengen und das Verkehrs- und Fernmeldewesen zu vernichten.

 

So haben die deutschfaschistischen Truppen zum Beispiel beim Verlassen Kiews die Maschinenbau- und metallverarbeitenden Werke ‚Bolschewik‘ und ‚Roter Bagger‘ zerstört, die Industrie, den Verkehr und die Landwirtschaft mit Maschinen, Inventar und Ersatzteilen versorgten. Sie zerstörten das gesamte Netz des großen Eisenbahnknotenpunktes Kiew-Darniza, sprengten alle Eisenbahnbrücken über den Djnepr und die Eisenbahnüberführungen in der Stadt; ebenso alle großen Fabriken: die Unternehmen der Textilindustrie, die Wirkwarenindustrie, die Konfektions- und Schuhfabriken und viele andere mehr.

 

In Minsk haben die deutschfaschistischen Militärs 23 der größten Unternehmen niedergebrannt oder gesprengt: die Eisenbahnreparaturwerkstätten, die Werkzeugmaschinenfabrik, die Glasfabrik ‚Proletarier‘, zwei Ziegeleien oder die Wagenfabrik ‚Udarnik‘. Sie vernichteten 11 industrielle Bäckereien, die Süßwaren-, Keks- und Wirkwarenfabrik, das Fleischwarenkombinat, die Konfektionsfabrik ‚Oktober‘ und ‚Krupskaja‘ und machten das Telefon- und Telegrafennetz unbrauchbar. Die Zerstörung der industriellen Grundlage der Sowjetunion war aber durchaus keine Nebenaufgabe, die sich die deutschfaschistischen Okkupanten gestellt hatten, sondern eine eigenständige, besondere und in den Augen der Hitlerleute vorrangige Aufgabe.

 

Tiefe, schwer zu heilende Wunden schlugen sie der sowjetischen Industrie im Donezbecken, das in der sowjetischen Wirtschaft eine ähnliche Rolle spielt wie das Ruhr- und rheinisch-westfälische Industriegebiet in der deutschen.

 

Hier haben die deutschfaschistischen Truppen auf Veranlassung des deutschen Oberkommandos Gruben, Elektrizitätswerke, metallurgische, chemische und Maschinenbauunternehmen zerstört. Im Gebiet von Stalino sprengten und vernichteten sie 154 Stollen in einer Länge von 15.517 Metern, 292 Aufzüge, 393 Dampfkessel mit einer Erwärmungsfläche von 37.615 Quadratmetern, 241 Übertagebauten von insgesamt 385.430 Quadratmetern. Die deutschen Truppen sprengten und zerstörten hier 266 Maschinengebäude von 260.067 Kubikmetern, 183 Tranformatorennebenstationen von 80.328 Kubikmetern, 161 Pfahlwerke in einer Länge von 17.571 Metern. Unmittelbar vor ihrem Rückzug zerstörten sie noch 1.900 Schrämmmaschinen und setzten sie unter Wasser, 1.209 Fließbandinstallationen, 802 elektrische Bohrer, 1.651 elektrische Beleuchtungsanlagen, 760 Pumpen, 1.085 befestigte Winden und 4.155 Abbauhämmer.

 

Gleichzeitig fügten die Feinde der städtischen Wirtschaft von Stalino ungeheuren Schaden zu. Sie verbrannten den Straßenbahnwagenpark, vernichteten 35 km Straßenbahngleise und Straßenbahnleitung, zerstörten die städtische Wasserleitung und die gesamte Stromwirtschaft der Stadt.

 

Im Leningrader Gebiet haben die deutschfaschistischen Okkupanten 3.783 Industrieunternehmen vernichtet, im Smolensk 96 Fabriken und Werke – mehr gab es hier nicht.

 

Die Zerstörungen bei den Verkehrseinrichtungen von Smolensk sind ungeheuer. Der in dem Eisenbahnknotenpunkt angerichtete Schaden beträgt 60,5 Millionen Rubel. Die faschistischen Truppen sprengten hier vor ihrem Rückzug 194 km Bahnhofsgleise, 700 Weichen, 5 Depots; die Drehscheiben sind zertrümmert, ebenso die Wasserannahmestellen; 3.000 laufende Meter Lade- und Ausladeraum, 18.300 Kubikmeter Dienstgebäude usw. wurden vernichtet.

 

In 19 Bezirken des Gebiets von Orel wurden neben anderen Zerstörungen durch die Okkupanten nach unvollständigen Daten 317 Industriegebäude, 316 Verkehrsgebäude und 284 städtische Gebäude zerstört.

 

In Riga haben die Okkupanten das Wasserkraftwerk mit einer Kapazität von 55.000 Kilowatt gesprengt, den Rigaer Wagenpark und Eisenbahnknotenpunkt zerstört, 300 km Eisenbahn und 6 km Straßenbahngleise, 100 km elektrische Leitungen vernichtet und 330 Straßenbahnwagen beschädigt. In Riga wurden die bedeutendsten Unternehmen zerstört: das staatliche elektrotechnische Werk WEF, das staatliche Eisenbahnwerk ‚Waigors‘, die Gummiwarenfabrik ‚Quadrat‘, die Wasserleitung und das Fernmeldenetz wurden unbrauchbar gemacht.

 

In Daugavpils (Dwinsk) haben die faschistischen Truppen den Bahnhof, die Eisenbahnreparaturwerkstätten, das Kraftwerk gesprengt, 40 Unternehmen der lokalen Industrie vernichtet und das Fernmeldenetz zerstört.

 

Ungeheurer Schaden wurde von der Besatzung der Industrie der Litauischen Sowjetrepublik zugefügt. Hier wurden die großen Elektrizitätswerke der Republik gesprengt: in Vilnius (Wilna) 9.000 kW und in Kaunas (Kowno) 16.000 kW.

 

Laut Mitteilung der Außerordentlichen Staatlichen Kommission hat die Besatzung in Kaunas das metallurgische Werk ‚Metalos‘, die optische Fabrik ‚Spektras‘, die Gummiwarenfabrik ‚Guma‘, das Fleischwarenkombinat, die Zuckerfabrik, drei Großmühlen, zwei Seifensiedereien zerstört.

 

In der Hauptstadt Litauens, Vilnius, haben die deutschen Kommandos die Rundfunkgerätefabrik ‚Elektrit‘, das Säge- und Furnierholzwerk zerstört. In der Stadt Siauliai verbrannten und zerstörten sie das erstklassige Lederwerk Nr. 6, die Schuhfabrik ‚Vatas‘, die etwa 2.000 Paar Schuhe täglich herstellte, die Bierbrauereien, die Molkerei.

 

In der Stadt Naunon Wilne vernichteten sie die Werkzeugmaschinenfabrik und die Papierfabrik. In dem Flecken Schwantun brannten sie die Spiritusbrennerei nieder. In verschiedenen anderen Städten und Marktflecken von Sowjetisch-Litauen übergaben sie viele Kalk- und Ziegelfakriken den Flammen. In Poleweshsk sprengten sie sieben Mühlen, die mechanische Brotbäckerei usw. Eine große Zahl von Klein- und Handwerksbetrieben sind auf dem gesamten Territorium der Republik zerstört worden.

 

Gleichzeitig wurde dem Fernmeldewesen Litauens großer Schaden zugefügt. Völlig zerstört wurde der Eisenbahnverkehr der Republik. Die deutschen Okkupanten verbrannten und zerstörten die Eisenbahnkraftwerke, die Depots und Reparaturwerkstätten für die Lokomotiven bei Kaunas, sprengten die Eisenbahnbrücke über den Fluss Nemunas in einer Länge von 332 Metern, über den Fluss Neris in einer Länge von 301 Metern und 49 weitere Brücken, vernichteten 330 km Haupt- und 46 km Bahnhofsgleise. Sie sprengten die Bahnhöfe von Kaunas, Turmonti, Dukszty und vielen anderen Orten, zerstörten die Bahnhöfe von Vilnius, Pabrade u. a., vernichteten und sprengten 4.238 Güter- und 257 Personenwagen und 183 Lokomotiven.

 

Eine andere baltische Republik, Estland, entwickelte vor dem Kriege ihre Industrie in raschem Tempo. Besonders wichtig war hier die Schieferindustrie. Sie war die Grundlage für die sich entwickelnde chemische Industrie Estlands. Nach dem Plan hätte die Schiefergewinnung im Jahre 1941 einige Millionen Tonnen erreichen müssen. Im ersten Halbjahr, vor dem Überfall Hitlerdeutschlands, wurde der Plan pünktlich erfüllt.

 

Die Hitleristen haben nicht nur die weitere Erfüllung des Plans zunichte gemacht, sie vernichteten fast gänzlich die Unternehmen der Schieferindustrie. Im Destillierwerk von Sillamiaje entfernten sie zum Beispiel die gesamte Einrichtung und vernichteten das Gebäude zum größten Teil. Völlig wurden die Werke von Koptla, Kiwieli und andere zerstört.

 

Den gleichen Zerstörungen waren die estnischen Unternehmen der metallverarbeitenden Industrie ausgesetzt. In Tartu (Dorpat) wurden die Maschinenbau- und metallverarbeitenden Werke, in Narwa das Gusseisenwerk, in Pärnu das Motorenbauwerk ‚Esti Motor‘ vernichtet. In dem großen Maschinenbauwerk ‚Ilmaring‘ in Tallinn zerstörten die Okkupanten die Maschinenbauabteilung, in Tartu plünderten sie die Anlagen der Telefonfabrik und zerstörten das Gebäude. Ebenso wurde die Fabrik für hochwertige Erzeugnisse ‚Esti Diatomit‘ vernichtet.

 

In Ruinen wurde die riesige Baumwollfabrik ‚Krengalmskaja Manufaktura‘ in Narwa verwandelt. Diese Fabrik hatte schon vor dem Kriege etwa eine halbe Million Spindeln. Die Faschisten haben ihre verbrecherische Hand auch an dieses Werk gelegt, und von dem gewaltigen mustergültigen Unternehmen blieb nur die Erinnerung.

 

Sie haben auch andere Textilfabriken Narwas gänzlich zerstört: die Leinen-, Tuch- und Seidenweberei. In Narwa wurde auch das große Getreidekombinat ‚Pychja Weski‘ völlig vernichtet. In der Möbelfabrik zerstörten sie die Furnier-, Trocken-, Platten-, Tischler- und Malerabteilung und verbrannten die Rohstoffvorräte, die Halbfabrikate und Fertigerzeugnisse. Ernstliche Schäden wurde den großen Unternehmen der Baumaterialienindustrie Estlands zugefügt: Der Zementfabrik ‚Punane Kunda‘, der Ziegelfabrik ‚Punane Kiwi‘ und andere.

 

Wie groß ist nun der Gesamtschaden, der von der deutschen Wehrmacht der sowjetischen Industrie zugefügt wurde?

 

Aus diese Frage antwortete der Anklagevertreter der UdSSR auf dem Nürnberger Prozess wie folgt:

 

„Die deutschfaschistischen Eroberer zerstörten 31.850 Industrieunternehmen, in denen etwa 4 Millionen Arbeiter beschäftigt waren. Die größten Verluste erlitten die folgenden Industriezweige: die Kohlenindustrie. Im Donezbecken und im Moskauer Kohlengebiet zerstörte die Soldateska 1.135 Gruben, in denen 337.000 Arbeiter beschäftigt waren und in denen über 100 Millionen Tonnen Kohle im Jahr gewonnen wurden.

 

Erölindustrie. Auf den Erdölfeldern von Grosnyi und Krasnodar haben die faschistischen Truppen über 3.000 Erdölbrunnen mit einer Erdölausbeute bis zu 5 Millionen Tonnen im Jahr vernichtet.

 

Die Nazisten sprengten in Grosnyi in atmosphärische Vakuumanlage mit einer Jahresproduktion von 227 Tonnen sowie die Crackinginstallationen von Odessa und Charkow, zerstörten das Erdöldestillationswerk von Krasnodar, machten die Petroleumfabrik ‚Grosnyi-Pudowaja‘ untauglich und vernichteten die Metallbehälter von über 2 Millionen Kubikmeter Fassungsvermögen auf 720 Erdölstationen.

 

Elektrizitätswerke. Die Faschisten zerstörten die mächtigen Elektrizitätssyteme am Dnejpr, im Donezbecken, in Leningrad, Charkow, Krasnodar, Kiew, Woronesh, auf der Krim, in der Weißrussischen Sowjetrepublik und auf der Halbinsel Kola. Die wertvollsten Einrichtungen der Kraftwerke wurden nach Deutschland überführt.

 

Insgesamt haben die faschistischen Truppen in der Sowjetunion 61 große und eine erhebliche Zahl kleinerer Elektriziätswerke mit einer Gesamtkapazität von 5 Millionen Kilowatt gesprengt, niedergebrannt und teilweise vernichtet, 10.000 km Hochspannungsleitungen untauglich gemacht, über 12.000 Gebäude von elektrischen Werken und Nebenstationen zerstört und 14.000 Dampfkessel, 1.400 Turbinen und 11.300 Elektrogeneratoren nach Deutschland verschleppt.

 

Eisen- und Buntmetallindustrie. 37 große Eisenwerke wurden in der Sowjetunion gänzlich oder teilweise von den Truppen zerstört. In diesen Werken wurden jährlich 11 Millionen t Eisen, 10 Millionen t Stahl, 8 Millioen t Walzeisen hergestellt. Ganz oder teilweise zerstörten die Okkupanten in der Sowjetunion 62 Hochöfen, 213 Martinöfen, 248 Walzstraßen, 4.740 Koksöfen mit einer Jahresproduktion von 19 Millionen t Koks. Sie vernichteten 29 Fabriken für feuerfeste Erzeugnisse und 18 Erzbergwerke mit einer Jahresausbeute von über 20 Millionen t Eisenerz.

 

Gleichzeitig zerstörten die Faschisten 12 große Buntmetallwerke oder machten sie untauglich, darunter die Dnejprwerke: das Aluminiumwerk, das Magnesiumwerk, das Elektrodenwerk, das Tonerdewerk und die Bauxitvorkommen.

 

Maschinenbau. Der Schaden, den die Nazisten der sowjetischen Maschinenbauindustrie zugefügt haben, ist wahrlich ungeheuer. Sie zerstörten 749 schwere und mittlere Maschinenbauwerke, in denen 919.000 Arbeiter, Ingenieure, Techniker und Angestellte beschäftigt waren. Besonders schwer wurden die großen Werke von Kramatorsk mit 25.000 Arbeitern, Woroschilowgrad mit 20.000, Beshezk mit 20.000, Charkow mit 5.000, Taganrog mit 4.000, Ljudinow mit 6.000, der Leningrader ‚Russische Diesel‘ mit 3.000 Arbeitern betroffen.

 

Ganz zerstörten die Okkupanten 21 Werke, die Traktoren, Kraftwagen, Eisenbahnwaggons, Motor- und Fahrräder herstellten. In einen Haufen von Ruinen wurden teilweise die Traktorenwerke von Stalingrad und Charkow verwandelt; die Kugellagerwerke von Charkow, Gomel und Rostow wurden zerstört, ebenso die großen Fabriken von Kalinin, Krukow und Beshezk mit einer Jahresproduktion von 23.000 Güterwagen. Sie vernichteteten die Anhängerwerke von Lodejnopol und Welj, die Fahrradfabrik von Charkow und die Motorradfabrik von Leningrad. Außerdem wurden 27 andere Werke gleicher Art teilweise zerstört.

 

Die Okkupanten zerstörten 64 Werkzeugmaschinenfabriken, darunter die von Charkow, Kramatorsk, Krasnodar, Odessa, Minsk, Leningrad u. a. Sie vernichteten gänzlich 169 Werke für landwirtschaftliche Maschinen, chemische Erzeugnisse, Holz- und Papierbearbeitungsmaschinen, darunter Werke wie das ‚Kominternwerk‘, ‚Krasnaja Aksaij‘, ‚Rosselmasch‘, ‚Kommunar‘, ‚Bolschewik‘, ‚Roter Stern‘, ‚Hammer und Sichel‘, ‚Oktoberrevolution‘. Großen Schaden erlitt die elektrotechnische Industrie, die Elektrogeneratoren, Elektromotoren, Transformatoren, elektische Lokomotiven und andere Maschinen und Anlagen herstellte. 41 Werke wurden zerstört, darunter riesige Unternehmen wie das elekromechanische Werk von Charkow ‚Chems‘, die Leningrader Werke ‚Elektrosila‘, ‚Elektroprowod‘ und ‚Rotes Morgenrot‘.

 

Holz- und Papierindustrie. Die Besatzung hat eine große Zahl von holzverarbeitenden Industrien mit einer Jahresproduktion von 64 Millionen Kubikmeter Holzfasern, 260 Sägewerken und holzbearbeitende Fabriken mit einer Jahresproduktion von 12 Millionen Kubikmeter Sägeholz, 28 Furnierholzwerke mit einer Jahresproduktion von 380.000 Kubikmeter Furnierholz zerstört. Außerdem vernichteten sie 14 Zündhölzerfabriken mit einer Jahresproduktion von 4 Millionen Kisten Zündholz und 77 Papier- und Zellulosewerke mit einer Jahresproduktion von 300.000 t Papier.

 

Textil- und Leichtindustrie. Die Faschisten haben 120 Baumwollfabriken, 75 Wirkwaren- und Textilunternehmen, 69 Leinenfabriken, 125 Hanf- und Jutefabriken, 36 Tuchfabriken, 12 Kürschnereien, 8 Fabriken für Kunstfaserbearbeitung, 160 Leder- und Schuhfabriken, über 100 Glaswerke zerstört. Diese planmäßig organisierte ‚Arbeit‘ der deutschfaschistischen Truppen hat die sowjetische Textil- und Leichtindustrie stark ausgeblutet. Im Einzelnen hat die Textilindustrie 3 Millionen Spindeln und 45.000 Webstühle verloren.

 

Lebensmittel-, Fleischwarenindustrie und Molkereien. In diesem Industriezweig haben die Nazisten 409 Unternehmen, darunter die großen Werke von Jenakiewk, Kritschewsk, Brjansk und die Werke ‚Proletarier‘ und ‚Oktober‘ von Noworossijsk zerstört.

 

Diejenigen deutschen Zeitungen, die heute so aufmerksam jede Demontage eines Werks in der sowjetischen Besatzungszone verfolgen und ihren Lesern berichten, selbst wenn es sich um unbedeutende Werke handelt, würden mehr Objektivität und Gerechtigkeitssinn beweisen, mehr aufrichtige Absicht, tatsächlich und nicht nur mit Phrasen, in den internationalen Beziehungen Versöhnlichkeit zu erreichen, wenn sie neben der Meldung über eine Demontage gleichzeitig ihren Lesern mitteilt: Beachten Sie, dass die deutschen Truppen in Russland, in der Ukraine, in Weißrussland, in den baltischen Ländern in diesem Industriezweig diese und jene Zerstörungen vorgenommen haben. Das würde den deutschen Leser erziehen und aufklären und der Entnazifizierung und Demokratisierung wirklich dienlich sein: Aus der Gegenüberstellung von Zahlen und Tatsachen würde der deutsche Leser sehen, wie groß die Zerstörungen waren, die von der deutschen Millionenarmee den Völkern der Sowjetunion zugefügt wurden und wie bescheiden – mehr als bescheiden! – die Entschädigungen für die riesigen Verluste sind, die die Sowjetunion vom heutigen Deutschland fordert.

 

Wenn die deutschen Zeitungen bis auf den heutigen Tag darauf berufen, dass sie keine entsprechenden Zahlen und Angaben hatten, so werden sie jetzt, nachdem diese Arbeit veröffentlich worden ist, darüber verfügen. Es wird schon gut sein, wenn sie sie nur dreimal oder zehnmal seltener auswerten als sie über die ‚untragbare Last‘ schreiben, die der englische Steuerzahler zu tragen hat. Diese Hinweise auf die ‚untragbare Last‘ sollen den schrecklichen Hunger, der in den westlichen Zonen Deutschlands bereits zwei Monate nach der Ernte herrscht, entschuldigen. Ich weiß nicht, ob diese ephemeren ‚moralischen Kalorien‘ die Hungrigen speisen können. Ich denke, dass diese ‚moralischen Kalorien‘ auf den politisch denkenden und reifen Teil der deutschen Gesellschaft nicht weniger aufreizend wirken als die leeren Meldungen über Demontagen, die ohne Hinweis darauf, welch verschwindend kleinen Teil der von der Sowjetunion erlittenen Verwüstungen sie entschädigen, gebracht werden.

 

Neben den in der sowjetischen Industrie angerichteten Verwüstungen muss auch von dem ungeheuren Schaden gesprochen werden, der dem sowjetischen Eisenbahnnetz, der Fluss- und Seeschifffahrt und dem Fernmeldewesen von der Besatzung zugefügt worden ist.

 

Verkehr. Mit speziellen Gleiszerstörungsmaschinen haben die Faschisten 26 Haupteisenbahnlinien untauglich gemacht und acht teilweise beschädigt; sie zerstörten 65.000 km Eisenbahngleise und eine halbe Million Kilometer Selbstblockungsleitung sowie Eisenbahntelefonleitungen. Sie sprengten 13.000 Eisenbahnbrücken mit einer Gesamtlänge von etwa 300 km, 4.100 Bahnhöfe, 1.200 Pumpstationen, 1.600 Wassertürme, 3.200 Hydranten. Sie vernichteten 317 Lokomotivdepots, 129 Lokomotiv- und Waggonreparaturwerkstätten sowie Eisenbahnmaschinenwerke. Außerdem zerstörten, beschädigten und verschleppten sie 15.800 Dampf- und Motorlokomotiven und 428.000 Waggons.

 

Großen Schaden erlitt die Seeschifffahrt des Nördlichen Eismeers, des Weißen, Kaspischen und Schwarzen Meeres sowie der Ostsee. Die deutschen Truppen versenkten und beschädigten 1.400 Passagier-, Fracht- und Dienstschiffe des Seetransports. Sehr stark hatten die mit modernster Seetechnik ausgerüsteten Häfen von Sewastopol, Mariupol, Kertsch, Noworossijsk, Odessa, Nikolajew, Leningrad, Murmansk, Lepaja u. a. zu leiden.

 

Was die Flussschifffahrt angeht, so haben die Nazisten 4.280 Passagier-, Fracht- und Schleppdampfer sowie Fahrzeuge der technischen Hilfsflotte und 4.029 Kähne versenkt oder geraubt; sie zerstörten 479 Hafen- und Kaianlagen, darunter den Leningrader, Stalingrader und Kiewer Hafen; die Einrichtungen des Ostsee-Weißmeer-Kanals und des Kanals Moskwa-Wolga, 89 Schiffswerften, mechanische Werke und Unternehmen.

 

Bei ihrem Rückzug sprengten und zerstörten die von der Sowjetarmee bedrängten faschistischen Truppen 91.000 km Straßen und Straßenbrücken mit einer Gesamtlänge von 930 km.

 

Gleichzeitig zerstörten die deutschen Truppen 36.000 Post- und Telegrafenämter, Telefonämter und andere Unternehmen.

 

Das ist die Zusammenfassung der Zerstörungen auf dem Gebiete der Industrie, des Verkehrs und des Fernmeldewesen.

 

 

Zerstörung und Raub kultureller und wissenschaftlicher Werte

 

 

In dem von Hitler gutgeheißenen Befehl des Oberbefehlshabers der 6. deutschen Armee, der die Unterschrift des Generalfeldmarschalls von Reichenau und die Überschrift ‚Über die Führung der Truppen im Osten‘ trägt, heißt es:

 

„Die Truppen sind nur an der Löschung derjenigen Gebäude interessiert, die für die Unterbringung der Truppenteile ausgenützt werden sollen, alles andere … muss vernichtet werden. Historische und künstlerische Werte haben im Osten keine Bedeutung.“

 

Entsprechdend diesem Befehl haben die faschistischen Truppen gehandelt. Schon im Juli 1941 sind deutsche Truppen in das Dorf Michailowskoje eingedrungen, das dem russischen Volke als Kulturstätte besonders teuer ist. Hier befand sich das Gut des genialen russischen Dichters Alexander Sergejewitsch Puschkin. Dieses Gut, das Grab des Dichters im Kloster von Swjeatogorsk und die nächstgelegenen Orte Trigorskoje, Goroditschtsche und Woronitsch hat die sowjetische Regierung zum Puschkin-Heiligtum erklärt. Drei Jahre wüteten die faschistischen Truppen hier; Zeit genug, um die Puschkindenkmäler zu vernichten. Im Herbst 1943, als sich die Front näherte, wurden alle Werke des Puschkinmuseums auf Befehl des Kommandanten Treubholz eingepackt und nach Deutschland gebracht. Im Winter 1943 erschien in den Bergen von Puschkin der Ingenieur Josef Appel, der die Zerstörung der Wälder von Puschkin und Noworshew durch Abholzung der Jahrhunderte alten Bäume der Puschkin-Schonung betrieb. Ende Februar 1944 wurde Michailowskoje vom faschistischen Oberkommando zum Kriegsobjekt erklärt und in einen Stützpunkt der deutschen Verteidigung verwandelt. Der Park wurde von Gräben, Verbindungsgängen und Unterständen durchzogen. Das auf dem Fundament des von Puschkin bewohnten Hauses errichtete Museum wurde von den Nazisten niedergebrannt. Nur ein Trümmerhaufen ist geblieben. Auch die hölzerne Kirche, die aus Puschkins Zeiten erhalten geblieben war und in der er eine Seelenmesse für Byron hatte abhalten lassen, wurde ein Raub der Flammen. Die Truppen richteten sich streng nach den Richtlinien Hitlers und Reichenaus:

 

„Historische und künstlerische Werke haben im Osten keine Bedeutung.“

 

Mit demselben Zynismus verfuhren die deutschen Truppen mit einer zweiten ehrwürdigen Kulturstätte der Russen: mit dem berühmten Jasnaja Poljana, wo Leo Tolstoi geboren wurde, lebte und schuf. Jasnaja Poljana war von den faschistischen Truppen nur anderthalb Monate besetzt, aber das genügte, um das Gut kurz und klein zu schlagen, zu besudeln und schließlich niederzubrennen. Das Grab des großen Dichters wurde entweiht. Unersetzliche Reliquien, die mit dem Leben und Schaffen Tolstois verbunden waren, seltene Manuskripte, Bücher und Bilder wurden entweder geraubt oder weggeworfen und verbrannt. Als das Museumspersonal sich an den dort hausenden Offizier Schwarz mit der Bitte wandte, das Haus nicht mehr mit den persönlichen Einrichtungsgegenständen und Büchern des großen Schriftstellers zu heizen, sondern das vorhandere Holz zu nehmen, antwortete Schwarz:

 

„Holz brauchen wir nicht, wir werden alles verbrennen, was mit dem Namen eures Tolstois verbunden ist.“

 

Das Haus des weltbekannten russischen Komponisten P. I. Tschaikowskij, das vom Sowjetstaat in ein Museum verwandelt worden war, wurde von den nazistischen Offizieren und Soldaten zerschlagen und ausgeplündert. Die Okkupanten richteten in diesem Haus eine Motorradgarage ein und heizten sie mit Manuskripten, Büchern, Möbeln und anderen Museumsgegenständen.

 

Das gleiche Schicksal ereilte das Haus in Tichwin, in dem ein anderer großer russischer Komponist, Rimskij-Korssakow, lebte, das Haus des weltbekannten russischen Schriftstellers Tschechow in Taganrog, das Denkmal des großen ukrainischen Dichters Taras Schewtschenko und viele andere.

 

In dem berühmten alten russischen Kloster, das unter dem Namen Jerusalem bekannt ist, schon im Jahre 1654 gegründet und im 18. Jahrhundert von den großen Architekten Rastrelli und Kosakow renoviert wurde, richteten die deutschen Truppen ein Munitionslager ein. Bei ihrem Abzug aus Istra sprengten sie dieses Lager und verwandelten somit ein unersetzliches Denkmal der russischen Kirchenkunst in einen Trümmerhaufen.

 

Die Städte Pawlowsk, Zarskoje Selo und Peterhof, die in Museumsstädte verwandelt worden waren, waren der ganzen zivilisierten Welt durch ihre großartigen künstlerischen und architektonischen Denkmäler bekannt.

 

Wer hat nicht von den Peterhofer Wasserspielen gehört! Der große Wasserfall der Springbrunnenanlage von Peterhof, das Große Palais, die Simsonfontäne und die ins Meer führenden Kanäle gehörten einst zu den monumentalsten und schönsten historischen Denkmälern, die dem Sieg Peters über die Schweden bei Poltawa gewidmet waren. Ebenfalls in Peterhof lagen die bezaubernden Paläste Marly und Ermitage, die der französische Architekt Leblond erbaute, der Obere und Untere Park, das große vom Italiener Rastrelli erbaute Schloss. Der Untere Park barg reizende Pavillons. Sie waren das Werk des berühmten russischen Baumeisters Woronichin, der von leibeigenen Bauern abstammte. Alle diese architektonischen Denkmäler, die größte Ereignisse der russischen Geschichte ehrten, waren im Laufe von zwei Jahrhunderten von genialen Architekten verschiedener europäischer Länder geschaffen worden, und diese ganze Schönheit brach unter den Stiefeln der Hitlerschen Soldateska zuschaffen.

 

Die Okkupanten machten das ganze System der Peterhofer Fontäne unbrauchbar, indem sie in Zwischenräumen von zwei zu zwei Metern die Wasserrohre sprengten. Die Bronzefigur Simsons nahmen sie im November 1941 herunter, zersägten sie und brachten sie nach Deutschland.

 

Nach Deutschland wurden nahezu 34.000 Ausstellungsgegenstände aus den Peterhofer Schlössern, dem Großen Palais, Marly, Monplaisir und Cottage verschleppt. Das große Peterhofer Palais, das von dem Genie Rastrellis geschaffen worden war, war mit einmaligen Möbeln russischer, englischer, italienischer und französischer Meister eingerichtet. Seltene Sammlungen von russischem und ausländischem Porzellan wurden darin verwahrt. Die Wände des Schlosses waren mit Spiegeln, Gobelins, Seiden und anderen dekorativen Stoffen geschmückt. All das wurde von den Faschisten geraubt, die Wandbezüge abgenommen und das Große Palais in Brand gesteckt. Gänzlich zerstört sind der Tanzsaal, der Audienzsaal, die Paradetreppe und die Kirche, die mit vergoldeten Holzschnitzereien nach Zeichnungen von Rastrelli verziert waren, der Thronsaal, der Tschesmenskijsaal und die Speisesäle, die Velten geschaffen hat.

 

Das Marlyschloss in Peterhof wurde unter Peter I. im Jahre 1714 errichtet. Es war mit feinsten Stuck- und Schnitzarbeiten von den besten Meistern der Epoche Peters versehen. Mit Hilfe von Zeitminen haben die Nazisten dieses Schloss gesprengt.

 

Sie zerstörten ebenso das Schloss Monplaisir, in dem Peter gewohnt hat. Bis zum Einbruch der faschistischen Truppen wurden in diesem Schloss Möbel und Hausrat jener Zeit aufbewahrt. Hier befand sich der Saal, in dem Peter seine berühmten historischen Versammlungen abhielt. Die Okkupanten zerstörten alle hölzernen Teile des Pavillons und der Galerien, die Innendekoration des Arbeitszimmers, des Schlafzimmers und der chinesischen Zimmer. Den geschichtlich und künstlerisch wertvollsten Teil des Palais verwandelten sie in ein MG-Nest, im Westlichen Pavillon richteten sie einen Stall und die Toiletten ein; in den Empfangssälen nahmen sie die Böden heraus, zersägten die Balken, zerstörten Tür- und Fensterrahmen und rissen die Deckenverkleidungen herunter.

 

Im Parkpavillon der Ermitage errichteten die Hitleristen ein Maschinengewehr- und Artillerienest. Im nördlichen Teil des Parks, im so genannten Alexandria, sprengten sie das Sommerpalais Nikolaus‘ II, zerstörten das Alexanderportal, die Pavillons der Adamsfontäne, den Pfeiler des Hauptportals des Oberen Parks und den Rosa-Pavillon.

 

Nach der Einnahme von Neu-Peterhof haben Truppen der 291. deutschen Infanteriedivision durch schweres Artilleriefeuer das berühmte Englische Palais im alten Peterhof, das auf Befehl von Katharina II. vom Architekten Cvarengi erbaut worden war, zerstört. 9.000 schwere Artilleriegeschosse wurden auf das Palais abgefeuert. Zusammen mit dem Schloss wurden der malerische Englische Park sowie alle Parkpavillons vernichtet. Im alten Peterhof zerstörten die Nazisten alle Kirchen.

 

Die Stadt Puschins (Zarskoje Selo) war in der ganzen Welt berühmt wegen der architektonischen Wunder des Katharinenpalais, das Bartolomeo Rastrelli erbaut hat, das Alexanderpalis, ein Meisterwerk Giacomo Cvarengis, die Cameronthermen und die Camerongalerie.

 

Die Außerordentliche Staatliche Kommission berichtet über das Schicksal des Katharinenpalais Folgendes:

 

„Ein wesentlicher Teil des Katharinenpalais ist von den Deutschen niedergebrannt worden. Im Feuer ging die berühmte, dreihundert Meter lange, von Rastrelli geschaffene Zimmerflucht der Empfangssäle unter. Vernichtet sind die berühmten Antichambres (Wartezimmer), die Rastrelli dekoriert hat. Die Wände der Wartezimmer waren ganz mit vergoldeten Schnitzereien bedeckt, die riesigen Decken mit prachtvollen, auf Leinen gemalten Bildern von Künstlern des 18. Jahrhunderts: Valeriani, Gradizzi, Belskij u. a. verziert. Da diese riesigen Malereien nicht abgenommen werden konnten, wurden die ausgezeichneten Kunstwerke in Stücke zerschnitten.

Ein furchtbares Bild bietet der große Saal, die geniale Schöpfung Rastrellis. Die einzigartigen Plafonds (Zimmerdecken) von Torelli, Giordano, Brjullow und anderen großen italienischen und russischen Meistern wurden vernichtet; heruntergerissen und geraubt wurden die alten chinesischen Seidenmalereien aus dem 18. Jahrhundert, mit denen der Chinesische Salon und die Schlafzimmer Alexander I. bezogen waren, und die gelbe Seide mit eingewebten Schwänen und Fasanen aus russischer Handarbeit aus dem 18. Jahrhundert, die die Wände des kleinen Speisesaal bekleidete, vernichtet sind die eingelegten Parketts aus wertvollen Hölzern, die nach Zeichnungen des Architekten Renaldi gelegt wurden.

Die in ihrer Inneneinrichtung einzigartige Schlosskirche, einer der schönsten Bauten Rastrellis, wurde zerschlagen und geplündert. Die Ikonostase (Bilderwand in orthodoxen Kirchen) der Kirche ist zertrümmert, die Ikononen verschleppt, ein Teil der Decken zerschnitten, der andere zerstört, die Böden sind herausgebrochen, die vergoldeten Stuckarbeiten heruntergerissen. …“

 

Was noch vom Katharinenpalais und den angeschlossenen Gebäuden übriggeblieben ist, war nach den Plänen des deutschen Oberbefehls für die völlige Zerstörung vorgesehen. Im unteren Geschoss des erhaltenen Teils des Palais und unter der Cameron-Galerie wurden 11 große Fliegerbomben mit Zeitzündung von ein bis drei Tonnen Gewicht ausgelegt.

 

Auch dem Alexanderpalais haben die Faschisten keine bessere Behandlung zugedacht. Seine Räume wurden als Kaserne benützt. Die im Schloss liegenden faschistischen Kommandos schleppten die gesamte Ausstattung davon, brachen alle Türen heraus und verschleppten alle metallischen Verzierungen, sogar die Türklinken und -schlösser, zertrümmerten die Marmorverkleidungen der Empfangssäle und sprengten den rechten Flügel des Palais. Alle Museumsmöbel, die in den Kellern des Katharinen- und Alexanderpalais geborgen waren, kunstvolles Porzellan und die Bücher aus den Schlossbibliotheken wurden nach Deutschland verschafft. Das berühmte Deckengemälde ‚Das Fest der Götter auf dem Olymp“, das sich im Hauptsaal des Ermitagepavillons befand, wurde ebenfalls nach Deutschland überführt. Die Deckengemälde russischer und italienischer Meister in den Seitengalerien wurden in Stücke zerschnitten.

 

In der Stadt Pawlowsk betätigten sich ein Bataillon mit einem Sonderauftrag Ribbentrops sowie Kommandos vom Stab Rosenbergs. Die überführten die kostbaren Möbel des Pawlowsker Schlosses, die nach Skizzen von Woronichin und anderen Meistern des 18. Jahrhunderts geschaffen worden waren, nach Deutschland. Das Parkett aus kostbarem Holz von künstlerischem Wert wurde aus dem Schloss entfernt. Von den Wänden sind die Basreliefs, Gobelins, die Wand- und Deckengemälde heruntergenommen, ja sogar alle Klinken und Verzierungen aus Bronze und Holz entfernt worden. Barbarisch sind die Fresken Gonzagos, die einen ungeheuren künstlerischen Wert besaßen, zugerichtet worden, ebenso die Bildwerke Prokofjews, die Marmorvasen Gillets. Die Kuppel, die den mittleren Teil des Schlosses krönte, stürzte zusammen. Ein großer Teil des Schlosses verbrannte.

 

Sie hielten sich an das räuberische Prinzip Hitlers, dass ‚künstlerische und historische Denkmäler im Osten keine Bedeutung haben‘ und vernichteten mit Erbitterung die historischen Kunstwerke der alten russischen Städte. Besonders hatten Nowgorod und Pskow zu leiden, diejenigen Städte, in denen der russische Staat geboren wurde.

 

In Nowgorod zerstörte die Besatzung die größten Denkmäler aller russischer Kunst. Eine Schatzkammer alter russischer Kunst war die Sophienkathedrale, die im 11. Jahrhundert erbaut, im 12. Jahrhundert mit Fresken geschmückt worden war, Ikonen und Ikonostasen aus dem 12. bis 17. Jahrhundert sowie alte enthielt. Die Kathedrale wurde zerstört, nachdem die Nazisten die Innenausstattung völlig ausgeraubt und alle Ikonen und Ikonostasen sowie die altertümlichen Kronleuchter nach Deutschland gebracht hatten. Die Verkündigungskirche, die auf Bögen aus dem 12. Jahrhundert erbaut worden war, wurde als MG-Nest benutzt. Die Himmelfahrtskirche auf dem Wolotowofeld, die im 14. bis 15. Jahrhundert errichtet worden war, haben die Faschisten in einen Haufen Steine und Ziegel verwandelt. Das einzigartige Denkmal russischer und byzantinischer Malerei des 12. Jahrhunderts, die Kirche des Spass-Tscherewitza (Gottesbild), die im Inneren mit weltberühmten Fresken ausgeschmückt war, ist ebenfalls barbarisch zerstört worden. Schäden erlitt auch die Kirche des Spass-Preobrashenja (Gottesbild) in der Iljinastraße, die Georgskathedrale des Jürgenklosters u. a. mehr.

 

Auf Befehl des Oberkommandierenden der 18. deutschen Armee, Generalleutnant Lindemann, haben die Besatzungstruppen das monumentale Denkmal ‚Tausend Jahre Russland‘ zerstört. Es wurde in Nowgorod auf dem Kremlplatz im Jahre 1862 errichtet und hielt in künstlerischer Form die wichtigsten Entwicklungsphasen Russlands bis zu den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts fest. Das Denkmal wurde zerlegt, die Skulpturen zertrümmert. Die Faschisten hatten jedoch nicht die Zeit, das Denkmal als Bruch nach Deutschland zu überführen, da ihnen die Rote Armee auf dem Fuß folgte.

 

Der Leiter der Abteilung für alte russische Kunst des Staatlichen Russischen Museums in Leningrad, der bedeutende sowjetische Spezialist Dimitrijew, berichtet:

 

„Nowgorod ist zum größten Teil dem Erdboden gleichgemacht worden, nur wenige, halbzerstörte Viertel haben die Faschisten übriggelassen. Auch Pskow ist von den Faschisten in Trümmer verwandelt worden. Seine Bauten und Denkmäler haben sie beim Abzug gesprengt. Von 88 historisch-künstlerischen Bauten Nowgorods blieben ohne wesentliche Zerstörungen nur zwei übrig. Lediglich einige wenige Denkmäler Pskows blieben unbeschädigt. Hand in Hand mit der Zerstörung und Entweihung historisch-künstlerischer Denkmäler führten die faschistischen Truppen Plünderungen künstlerischer und materieller Werte durch, die sich in den Denkmälern befanden oder aus denen sie sich zusammensetzten.“

 

Gesondert muss bei den von den Besatzern vorgenommenen Zerstörungen von Bildungsstätten, kulturellen Einrichtungen und historischen Denkmälern verweilt werden. Die erste Bilanz dieser verbrecherischen Handlungen hinsichtlich der Vernichtung und Plünderung wissenschaftlicher und künstlerischer Werte der Sowjetunion zog der sowjetische Außenminister W. M. Molotow in seiner Note vom 27. April 1942. In dieser teilte Molotow mit, dass die faschistischen Truppen in dem von ihnen in der Sowjetunion besetzten Territorium allerorts die Bibliotheken, von den kleinsten Klub- und Schulbibliotheken bis zu den wertvollsten Manuskriptsammlungen, die einzigartige Werke enthielten, zerstört haben.

 

Schon zu jener Zeit haben die Faschisten in dem von ihnen eroberten Teil des Moskauer Gebiets 112 Bibliotheken, 4 Museen, 54 Theater und Kinos zerstört und ausgeraubt; sie plünderten und verbrannten dann das berühmte Museum von Borodino mit seinen historischen Erinnerungen an den Kampf mit der Armee Napoleons im Jahre 1812. Die Nazisten plünderten und verbrannten das Haus des großen russischen Dichters A. S. Puschkin in der Siedlung Polotnjanje Sawod. In Kaluga vernichteten sie die Ausstellungsgegenstände des Hauses, in dem der berühmte russische Gelehrte K. E. Ziolkowskij lebte, dessen Verdienste auf dem Gebiet der Luftfahrt weltbekannt sind. Wertvoll Modelle von Luftschiffen, Zeichnungen und Apparate wurden zertreten. In einem der Zimmer wurde ein Hühnerstall eingerichtet, die Möbel wurden verbrannt. Auf die Bilder Ziolkowskijs schossen die Hitleristen mit Revolvern.

 

Eine der ältesten landwirtschaftlichen Einrichtungen der UdSSR, die landwirtschaftliche Station von Schatilow im Gebiet von Orlow, wurde vernichtet. 55 Gebäude dieser Station, einschließlich des agronomischen und anderer Laboratorien, das Museum, die Bibliothek von 40.000 Bänden, die Schule und andere Gebäude wurden den Flammen übergeben.

 

In Weißrussland zerstörten und plünderten die Okkupanten die Weißrussische Akademie der Wissenschaften mit der seltenen Galerie historischer Dokumente und Bücher. Dasselbe Schicksal ereilte die Landwirtschaftliche Akademie von Gorez, die vor kurzem ihr hundertjähriges Bestehen feierte. Hunderte von Schulen, Klubs, Dutzende von Theatern, musikalischen Instituten und seltene Schöpfungen der Volkskunst wurden vernichtet.

 

Die Denkmäler und Pflegestätten der ukrainischen Geschichte, Kultur und Kunst, wurden nacheinander mit rasendem Hass und unter Missachtung der nationalen Würde des ukrainischen Volkes zerstört. Als charakteristisches Beispiel teilte W. M. Molotow mit, dass die Truppen nach der Zerstörung der Korolenko-Bibliothek in Charkow die aufgeweichte Straße mit Büchern aus dieser Bibliothek pflasterten, damit die deutschen Kraftwagen besser passieren konnten.

 

Das war der Anfang. Je länger der Krieg währte, je klarer sich sein Ausgang abzeichnete, desto größer wurde die Verbitterung der Hitleristen, um so zahlreicher ihre Verbrechen.

 

Wie die Außerordentliche Staatliche Kommission mitteilt, haben die Faschisten in Smolensk die wissenschaftlichen Institute, die Techniken, die Schulen, die historischen Denkmäler verbrannt. Schulbücher, Literatur, Lehrmittel für den Anschauungsunterricht und Geräte, Ausstellungsgegenstände und Museumssammlungen, die insgesamt einen ungeheuren Wert darstellen, brachten sie nach Deutschland. Die große Bibliothek des Pädagogischen Instituts, die Hunderte von Büchern zählte, war im Keller zum Schutz vor Feuer und Bomben eingemauert worden. Die Okkupanten fanden diese Bibliothek und verbrannten alle Bücher. Die wertvolle Literatur und die Instrumente des Medizinischen Instituts haben sie dagegen nach Deutschland gebracht.

 

Ein bezeichnendes Beispiel: Im April 1943 brauchten die Nazis Schotter. Zu diesem Zweck sprengten sie die Mittelschule Nr. 23 und den so gewonnenen Schotter benutzten sie zur Ausbesserung der Straße.

 

Als die deutschen Truppen aus Smolensk abziehen mussten, zerstörten sie fast sämtliche Bildungsstätten. Sie brannten die Gebäude des pädagogischen, stomatologischen und landwirtschaftlichen Instituts nieder, zerstörten die Techniken für Finanz- und Genossenschaftswesen, für Eisenbahn- und elektrotechnisches Fernmeldewesen. Sie verbrannten und sprengten 22 Schulen, acht Kindergärten, die Gebiets-, Zentral-, Kinder- und städtische Bibliothek, die Bibliothek des Stadtteils jenseits des Dnjepr, die Gorki-, Ratschew- und 1. Mai-Bibliothek. In diesen Bibliotheken wurden 646.000 Bücher vernichtet. Wie Räuber hausten die Faschisten in den Museen von Smolensk. Das Museum für Kunst zerstörten sie, die wertvollsten Ausstellungsgegenstände wurden nach Deutschland gebracht. Das Historische Museum ist völlig zerstört, teilweise wurde es gesprengt. Das Naturkundemuseum benutzten die Faschisten als Kaserne, die Museumswerte vernichteten sie. Das bronzene Kutusowdenkmal und die Kanonen vom Denkmal für das Jahr 1812 brachten sie nach Deutschland. Völlig wurde die aus dem 18. Jahrhundert stammende Spasskaja-Kirche, die Duchowskaja-Kirche aus dem 18. Jahrhundert und die Prokowskaja-Kirche aus dem 19. Jahrhundert niedergebrannt. Sie sprengten die Werchneje-Nikolskaja-Kirche und die Kirche des Abrahamklosters.

 

Von den ersten Tagen ihres Einbruchs in die Ukraine schritten die Faschisten zur planmäßigen Zerstörung der Schulen und Hochschulen, der wissenschaftlichen Einrichtungen, der Museen, Bibliotheken, Klubs und Theater. Gleichzeitig vernichteten sie die Kindergärten, die Krankenhäuser, die Polikliniken und Apotheken. Die historischen und kulturellen Werte von Kiew, Charkow, Odessa, Stalino und Rowno wurden zerstört und geplündert.

 

Bei der Zerstörung der Kiewer Anstalt für Geisteskranke verbrannten die Faschisten das wissenschaftlich wertvolle Archiv, vernichteten die prachtvolle Bibliothek des Krankenhauses mit 20.000 Bänden, plünderten das kulturelle Heiligtum, das wertvolle Denkmal des 11. Jahrhunderts, die berühmte Kirillow-Kathedrale, die auf dem Grundstück des Krankenhauses lag.

 

Aus den Bücherbeständen der Kiewer Bibliotheken raubten sie über vier Millionen Bände. Allein aus der Akademie der Wissenschaften der Ukrainischen SSR entführten die Hitleristen über 320.000 verschiedene Originale, Zeitschriften und Manuskripte.

 

Am 5. September 1943 verbrannten und sprengten sie eine der ältesten Pflegestätten der ukrainischen Kultur, die Kiewer Schewtschenko-Staatsuniversität. Große kulturelle Werte, u. a. das Archiv alter geschichtlicher Akten, wurden ein Raub der Flammen. Die Bibliothek von über 1.300.000 Bänden, das zoologische Universitätsmuseum, das über 2 Millionen Ausstellungsgegenstände barg und eine Reihe anderer Museen wurden vernichtet. Auch die anderen Hochschulen Kiews wurden zerstört: die Industriehochschule, das Forstinstitut, das Pädagogische Gorki-Institut u. a. Die meisten medizinischen Einrichtungen wurden geplündert und gebrandschatzt. Dasselbe Schicksal ereilte das Theater der Roten Armee, das Theaterinstitut, das Konservatorium, in dem die Instrumente verbrannt wurden, die reichhaltige Bibliothek und ihre gesamte Einrichtung, das Gorki-Jugendtheather mit der gesammten Ausstattung. Der Zirkus mit 2.500 Plätzen wurde gesprengt, das Jüdische Theather vernichtet. Die Museen westeuropäischer und östlicher Kultur, das Museum für russische, das Museum für ukranische Kunst wurden geplündert. Wertvollste Werke der Malerei, Grafiken, Skulpturen, seltene Kacheln, Stickereien, Kollektionen von bemalten Ostereien, glasiertes Steingut usw. wurden nach Deutschland gebracht. Auch das Schewtschenko-Museum und das Historische Museum wurden geplündert, ebenso das größte Denkmal der slavischen Vöker, die Sophienkathedrale.

 

Die faschistischen Truppen sprengten und zerstörten auf Befehl ihrer Führung das älteste Kulturdenkmal, das Kloster Kiewo-Petscherskaja-Lawra.

 

Am 3. November 1941 haben die faschistischen Truppen die Himmelfahrtskathedrale, die von 1075 bis 1089 von Großfürst Swjatopolk erbaut worden war, gesprengt. Von Oktober bis Dezember 1941 haben die Faschisten aus der Lawra die wertvollsten Gegenstände des Historischen Museums entfernt: die Waffensammlung, darunter Gegenstände von einmaligem Wert, wie das Schwert Stephan Batorys und den Schaukasten mit Waffen der Saporoger. Hier befanden sich Handschriften, Münzen, Siegel, Porzellan, Gewebe, Manuskripte wissenschaftlicher Arbeiten u. a.

 

Hunderte von unersetzlichen Gegenständen wurden von den Okkupanten aus den Museen Odessas entführt, darunter 200 Bilder. In der Stadt wurden 2.290 der größten Gebäude gesprengt, die architektonisch-künstlerischen und historischen Wert besaßen, z. B. das Häuschen Puschkins. Die deutsch-rumänischen Truppen zerstörten in Odessa das erste Krankenhaus für Infektionskrankheiten, das zweite Kreiskrankenhaus, das somatologische, psychiatrische und zwei Kinderkrankenhäuser, die Kinderpoliklinik und sieben gesundheitliche Beratungsstellen für Kinder, 55 Kinderkrippen, zwei Entbindungsanstalten, das Dispensarium, das Leprosorium, sechs Polikliniken und wissenschaftliche Forschungsinstitute: das Tuberkuloseinstitut, das Institut für Bäderkunde usw. Sie zerstörten ebenfalls 29 Sanatorien in der Nähe von Odessa.

 

Wir werden nicht bei weiteren Zerstörungen verweilen: In den Gebieten von Stalino und Rowno, auf der Krim und im Kaukasus, in Minst, der Hauptstadt Weißrusslands. Allein aus Minsk haben die Okkupanten Bilder und Skulpturen solcher russischer und weißrussischer Maler wie Repin, Aiwasowskij, Perow, Bogoljubow, Koslowskij, Braser, Asgur, Kersin u. a. nach Deutschland entführt. Wir wollen auch nicht auf die von den Faschisten zerstörten kulturellen Werte des litauischen, estnischen und lettischen Volkes eingehen. Wir geben nur einige zusammenfassende Daten, die von der Außerordentlichen Staatlichen Kommission gesammelt wurden.

 

Nach Angaben der Kommission haben die Faschisten über 87.000 Wirtschaftsgebäude der kooperativen und gewerkschaftlichen Organisationen, 10.000 Wohnhäuser, 1839 kulturelle und gesellschaftliche Bauten und etwa 8 Millionen Bücher zerstört.

 

Sie haben 120 Sanatorien und 150 Erholungshäuser der Gewerkschaften zerstört, die jährlich mehr als 3 Millionen Arbeiter, Ingenieure, technische Kräfte und Angestellte aufnahmen. Davon sind auf der Krim 59 Sanatorien und Erholungshäuser mit 11.900 Betten, in den kaukasischen Mineralbädern 32 Sanatorien und Erholungshäuser, im Leningrader Gebiet 33 Sanatorien und Erholungshäuser, in der Ukraine 88 Sanatorien und Erholungshäuser zerstört worden. Außerdem haben die Okkupanten 46 Pionierlager und Kindergesundheitsheime der Gewerkschaften zerstört und 189 Klubs und Kulturpaläste vernichtet.

 

Ganz oder teilweise zerstörten die faschistischen Truppen 334 Hochschulen, in denen 233.000 Studenten eingeschrieben waren. Besonders groß ist der Schaden, den die medizinischen Institute zu erleiden hatten. Die Ausrüstung der Laboratorien und ärztlichen Ordinationsräume, die einmaligen Ausstellungsgegenstände der Universitäts- und Institussammlungen wurden nach Deutschland gebracht. Auch die historischen Archivwerte und alten Handschriften wurden aus den speziellen Bibliotheken nach Deutschland verschafft. In den Massenbibliotheken haben die Okkupanten über 110 Millionen Bände geraubt oder vernichtet.

 

Die faschistischen Truppen haben wissenschaftliche Einrichtungen zerstört, Laboratorien, Bibliotheken verbrannt und zertrümmert und wertvollste Güter und Ausrüstungen geraubt. Insgesamt haben sie 605 wissenschaftiche Forschungsinstitute vernichtet.

 

In der Nähe von Leningrad haben die Okkupanten das Hauptobservatorium in Pulkowo zerstört. Es besaß die seltensten Instrumente, die von hervorrageneden sowjetischen und ausländischen Meistern hergestellt worden waren. Im Laboratorium befand sich ein erstklassiges Sonnenteleskop nach der Originalkonstruktion des Stalin-Preisträgers I. Ponomarjow.

 

Auf der Krim haben die deutschen Truppen das Observatorium von Semeisk zerstört und seine Ausrüstung, ein 40 Zoll langes großes Spiegelteleskop, die Messinstrumente, die Bibliothek, die über 9.000 Negative von Himmelsaufnahmen und Sternspektren enthielt, nach Deutschland verbracht.

 

Einen großen Schaden fügten die deutschen Truppen den Heilstätten der UdSSR zu. Sie zerstörten und plünderten 6.000 Krankenhäuser, 33.000 Polikliniken, Dispensarien und Ambulatorien, 976 Sanatorien, 656 Ruhehäuser, 60 Fabriken und Werke für chemisch-pharmazeutische Erzeugnisse und medizinische Instrumente. Viele Sanatorien und Badeanstalten der Allunionsheilstätten am Südufer der Krim, in den kaukasischen Mineralbädern, in Odessa und anderen Orten, in denen jährlich Millionen von Werktätigen Heilung und Erholung suchten, wurden in Ruinen verwandelt.

 

Auf der Krim schlugen sie Wälder und Parks nieder, die in der Nähe der Sanatorien angelegt waren, und in der Aj-Petrinsker Jaila vernichteten sie die Baumschulen mit den Setzlingen für die Fortwirtschaft.

 

In den zeitweilig besetzten Gebieten zerstörten die Nazisten 427 der insgesamt 992 sowjetischen Museen. Im Einzelnen vernichteten sie über 150.000 Ausstellungsgegenstände und Sammlungen über die Geschichte der Schwarzmeervölker. Alle künstlerischen Museen der Krim haben gelitten; die Sammlungen der Khanmoschee von Bakschisaraj mit einer großen Zahl von Ornamenten wurden geplündert.

 

Die Nazisten vernichten das Museum des Bauerndichters S. D. Droschi im Dorfe von Sawidow, das Museum des Volksdichters I. S. Nikitin in Woronesch und das Museum des berühmten polnischen Dichters Adam Mickiewicz in Nowogrudka, in der weißrussischen SSR. In Alagir verbrannten sie das Material des Volkssängers Ossetiens Kosta Chetagurow.

 

Die Faschisten zerstörten 44.000 Theater und Klubs.

 

Ganz oder teilweise haben die faschistischen Truppen 1.670 orthodoxe Kirchen, 69 Kapellen, 237 römisch-katholische Kirchen, 4 Moscheen, 532 Synagogen und 254 andere religiöse Gebäude zerstört.

 

Das sind die unvollständigen Daten über die Zerstörungen in der Sowjetunion, die die deutsche Wehrmacht verschuldet hat.

 

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